Vor Ort in Frankfurt, Mexiko oder Mumbai

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"Messen sind ein nicht zu unterschätzendes Akquise-Instrument" - da ist sich Gustav Nesemann, der beim Sondermaschinenbauer Bausch+Ströbel für die Organisation von Messen zuständig ist, sicher. Hier erklärt er, warum die Branchenschauen für Unternehmen wichtig sind. Interview von Adina Möller

Auch in Zeiten der verstärkten digitalen Kommunikation fahren heimische Betriebe regelmäßig auf Messen. Die Auftritte auf realen Marktplätzen sind oft Ankerpunkte für vielfältige Kommunikationsaktivitäten. Unternehmen betreiben dort Vertriebsförderung, Werbung und Imagearbeit, interne Kommunikation und Eventmanagement. Gustav Nesemann, Marketingleiter bei Bausch+Ströbel erklärt, warum die Schauen ein wichtiges unternehmerisches Instrument darstellt.

RegioBusiness: Ein Blick auf den Messekalender zeigt: Bausch+Ströbel stellt unter anderem auf Branchenschauen in Frankfurt, Shanghai, Las Vegas, Göteborg oder auch Moskau aus. Kurzum: Sie sind bei vielen internationalen Messen dabei. Stimmt es also, dass wer weltweit verkaufen will, heute auch an Messen auf allen Erdteilen teilnehmen muss?

Gustav Nesemann: Unsere Kunden erwarten von uns tatsächlich, dass wir uns auf Messen und Fachveranstaltungen darstellen, hier als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Messen sind meiner Meinung nach ein nicht zu unterschätzendes Akquise-Instrument. Wer das Engagement hier zurückfährt, um die zugegebenermaßen immensen Kosten einzusparen, geht das Risiko ein, nicht mehr die notwendige Akzeptanz am Markt zu erhalten.
Dementsprechend voll ist jährlich unser Eventkalender. Insgesamt stehen 2015 über 20 Messen und ca. ebenso viele Fachveranstaltungen, die wir besuchen, auf dem Programm. In diesem Jahr sind neben der Achema in Frankfurt für uns wichtige Messen in Nürnberg, Mexico City oder Mumbai.

RegioBusiness: Welchen Stellenwert nehmen die Branchenschauen allgemein in der Firmenphilosophie ein? Warum sind die Ausstellungen wichtig?

Gustav Nesemann: Zum einen ist es für unser Kundenklientel eine willkommene Plattform, sich an einem neutralen, nicht projektbezogenen Ort über Entwicklungen und Trends zu informieren. Zum anderen bieten die Messen für uns Maschinenbauer die Möglichkeit, unsere Leistungsfähigkeit und unser Innovationspotential einer breiten Schar Fachbesuchern präsentieren zu können. Der Stellenwert einer Messe wir oftmals unterschätz, ist aber für Bausch+Ströbel sehr hoch angesiedelt.

RegioBusiness: Das Touren über die Messen kostet neben Zeit ja auch Geld. Verraten Sie, wieviel das Unternehmen circa im Jahr in die Messauftritte investiert?

Gustav Nesemann: Ja, Sie haben recht, das Messegeschäft ist zum Teil sehr aufreiben. Es verlangt viel Engagement im Detail und bindet bei uns erhebliche personelle Kapazitäten. Beachtlich ist auch der finanziellen Einsatz: Unsere Messeausgaben belaufen sich pro Jahr auf einiges über eine Million Euro.

RegioBusiness: Warum lohnen sich die hohen Investitionen?

Gustav Nesemann: Lohnen? Diese Frage ist schwer zu beantworten, der Nutzen von Messen ist schwer in Euro zu beziffern. Sicherlich werden auf Messen Aufträge gebucht oder resultieren aus Messen Abschlüsse. Dies allein macht aber den Messeerfolg nicht aus. Ein großer Teil des Nutzen von Messen ist die Gelegenheit, mit Kunden und potentiellen Interessenten ins Gespräch zu kommen und den Bekanntheitsgrad im Markt auszubauen. Nur die kontinuierliche Präsenz in diesem Feld verspricht hier Erfolg.

RegioBusiness: Erfolgreich kann eine Messe ja nur dann sein, wenn Sie ihre Kunden erreichen. Wie schaffen Sie es, möglichst viel Leben und Verkehr an Ihren Ständen zu haben?

Gustav Nesemann: Bausch+Ströbel verfügt über umfangreich Kunden- und Interessenteninformationen, die sorgfältig in Datenbanken aktuell gehalten werden. Diese potentiellen Besucher laden wir aktiv persönlich ein.

RegioBusiness: Wie wird der Messeauftritt bei Bausch+Ströbel allgemein konzipiert?

Gustav Nesemann: Ein speziell hierfür geschultes Messeteam ist mit der Ausarbeitung und Realisierung betraut und arbeitet hier eng mit Messebauern und den involvierten Abteilungen im Unternehmen zusammen. Dazu gehört nicht nur die übergreifende Planung und Gestaltung, sondern auch eine Menge intensiver Kleinarbeit. Das geht von der Organisation der Bewirtung über die Einteilung und Unterbringung des Messeteams bis hin zur Auswahl der gezeigten Maschinen und Dienstleistungen und nicht zuletzt der Detailgestaltung des Messestandes gemeinsam mit dem Standbauer. Hier gilt es, sehr viele Aufgaben und aktiv Beteiligte zu koordinieren.

RegioBusiness: Hat sich das Messegeschäft in den letzten Jahren verändert? Wenn ja, inwiefern?

Gustav Nesemann: Jede Messe ist anders und hat ihr Eigenleben. Manche Messen werden permanent größer, auch unsere Auftritte dort. In manchen Ländern sind kulturelle und teilweise auch außerordentliche organisatorische oder rechtliche Veränderungen zu beachten. Frage ich mich, ob das Messegeschäft hektischer wird, bin ich versucht zu sagen: Ja; aber offen gesagt ist die Messe, die einen gerade beschäftigt, immer die hektischste und irgendwie ach immer wieder neu.

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